KinoMobil im Februar

Samstag, 19.02.2011

Kinderfilm (14.30 Uhr): "Die kleinen Bankräuber"
Jugendfilm (17.00 Uhr): The Social Network"

Abendfilm (20.00 Uhr): "Ajami"
Israel/Deutschland 2009
Regie: Scandar Copt, Yaron Shani
gemeinsames Debüt eines palästinensischen und eines jüdischen Regisseurs

"Ajami" hat alles, was einen Thriller auszeichnet: Geheimnisse, Intrigen, Verrat, Hass, Schießereien, Mord und Totschlag. Das Besondere an dem Film ist jedoch, dass er noch viel mehr zu bieten hat und das Genre für eine hochkomplexe, hochpolitische Geschichte nutzt. Ajami ist eine Teil der arabischen Stadt Jaffa, die wiederum von der israelischen Stadt Tel Aviv eingemeindet wurde. Mit ihrem gemischten Bevölkerungsanteil ist Ajami ein sozialer Brennpunkt, in dem Religionen und Weltanschauungen, Sprachen und Mentalitäten aufeinander prallen.
Von den ersten Bildern an taucht der Zuschauer ein in einen Sumpf aus Bandenkriminalität und tödlichen Missverständnissen. Als ein Jugendlicher auf offener Straße erschossen wird, sucht die Familie des Tätes die Verhandlungsbereitschaft der Angehörigen des Opfers. Unter Vermittlung eines islamischen Richters einigen sich die Familien schließlich auf einen Geldbetrag, wovon auch die Gemeinde einen guten Batzen abbekommt. So wird mit Gottes Segen die fatale Spirale von Rachemorden durchbrochen. Dennoch sind die Probleme für den jugendlichen Protagonisten Omar nicht aus der Welt: Er war eigentlich das Ziel des Mordanschlags und muss nun das Geld beschaffen. Dass er zudem als Muslim eine Christin liebt, macht sein Leben nicht einfacher...
"Ajami" ist ein Film mit Langzeitwirkung, der zwar keine politische Partei ergreift, sich in seiner Haltung aber klar positioniert: Er schärft den Blick für politische und soziale Verhältnisse, gerade weil er Einzelschicksale in den Mittelpunkt stellt, keine Sympathien verteilt, keine Klischees erfüllt und keine verallgemeinernde Analyse der politischen Situation im Nahen Osten versucht.